AnzeigeAnzeige AnzeigeAnzeige
Rockszene.de Porträt

Der Anfang vom neuen Anfang: Terry Hoax sind zurück
Hannoveraner mit neuen Songs im Studio und auf Tour
von Daniel Junker

Der Anfang vom neuen Anfang: Terry Hoax sind zurück-Hannoveraner mit neuen Songs im Studio und auf TourVor zwölf Jahren hat sich die hannoversche Gitarrenrockband Terry Hoax aufgelöst, nun will die Band es noch einmal versuchen: Mitte Mai waren Oliver Perau, Martin und Marcus Wichary, Hachy M. Hachmeister und Armin Treptau zusammen im Studio, um an den Aufnahmen für eine neue CD zu arbeiten. Auch auf die Bühnenbretter zieht es die Band erneut: Zehn Konzerte sind allein für dieses Jahr angesetzt. Am 28. Mai ist Premiere im Café Glocksee, Anfang August wird auf dem Fährmannsfest in Linden gerockt. Für 2009 ist eine eigene Tournee geplant.

14 neue Stücke hat die Band geschrieben, jetzt wird aufgenommen: Bei Peppermint Park auf dem Kronsberg. Mit der Wahl des Tonstudios kehrt die Band musikalisch zu ihren Wurzeln zurück. Im Studio von Wolfgang Sick nahm die Band 1990 ihre erste Platte auf – damals waren die Aufnahmeräume noch am Weidendamm in Hannover. Der Anfang vom neuen Anfang war ein Gespräch zwischen Oliver Perau und Kai Wingenfelder, Sänger der Kollegen von Fury in the Slaughterhouse. In deren Vorprogramm spielen Terry Hoax im August drei Abschiedskonzerte auf der Gilde Parkbühne in Hannover.


Glocksee, Fury-Support, Fährmannsfest
„Kai hat gefragt, ob ich als Juliano Rossi auftreten möchte“, sagt Perau. Seine folgenschwere, zunächst nicht ganz ernst gemeinte Antwort: „Wenn, dann mit Terry Hoax.“ Einen Tag lang habe Perau darüber nachgedacht, „und dann habe ich die Jungs gefragt. Die waren alle erst mal baff, sind aber dann ziemlich schnell dafür gewesen“, obwohl die Bandmitglieder mittlerweile in festen Jobs arbeiten oder studieren. Oliver Perau hatte sich als Jazzsänger Juliano Rossi in den letzten Jahren etabliert. „Es ist schon ein Problem, das zu koordinieren“, sagt Gitarrist Marcus Wichary.

Jetzt, ein halbes Jahr später, sind die Auswirkungen der Idee spürbar: Die Band wird erstmals nach zwölf Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne stehen (abgesehen von zwei Konzerten im Gig am Lindener Marktplatz und einem im Herbst 2007, als sie eine Überraschungsshow für Fury in the Slaughterhouse zu deren 20-Jährigem Jubiläum spielten): Am Mittwoch, 28. Mai, ist im Café Glocksee Live-Premiere, eine Tag später wird es gleich wesentlich größer: Im Rahmen der Abschiedstour von Fury in the Slaughterhouse spielen sie vor über 1000 Menschen im bereits ausverkauften Hamburger Stadtpark.

Und es geht weiter: Anfang August sind Terry Hoax als Headliner beim Fährmannsfest in Linden dabei. „Das haben sich die Veranstalter gewünscht“, meint Perau. Die Band hatte dort vor vielen Jahren schon einmal gespielt: „Da habe ich mich noch mit einem Typen aus dem Publikum geprügelt“, erinnert sich Oliver Perau. „Der hat mir auf die Hose gespuckt, und ich bin dann auf den drauf gesprungen und habe „Personal Tightrope“ weiter gesungen, während ich mich mit dem geprügelt habe“, beschreibt der Sänger lachend die Situation.

Die berufstätige Band
Mittlerweile stehen zehn Daten allein für dieses Jahr fest: Festivals und Auftritte im Vorprogramm der Fury-Abschiedstournee. „Wir sollten eigentlich die komplette Tour mit den Furys spielen“, sagt Perau. Doch das gab die Zeit nicht her. Nun sind erst einmal Shows in der näheren Umgebung geplant: Hannover und Hamburg seien die primären Ziele. „Für uns ist es sinnvoll, dass die Konzerte nicht zu weit weg sind“, meint Gitarrist Marcus Wichary, der zurzeit Zahnmedizin studiert. Sein Bruder Martin, ebenfalls Gitarrist bei Terry Hoax, arbeitet bei der TUI. Schlagzeuger Hachy M. Hachmeister ist Angestellter im Vertrieb der Plattenfirma Polygram. Bassist Arnim hat es am weitesten weg verschlagen: Er arbeitet bei einer Werbeagentur in Berlin. Oliver Perau wandelt seit der Auflösung von Terry Hoax mit Juliano Rossi auf Jazz-Pfaden.

Dass die Zeit vorbei ist, in der unbeschwert Konzerte angesetzt werden können, weiß die Band selbst: „Urlaubstagemäßig geht das jetzt schon an die Schmerzgrenze in diesem Jahr“, erkennt Martin Wichary. „Aber unsere Konzertagentur A.S.S. weiß Bescheid, dass sie es mit einer berufstätigen Band zu tun hat.“ Immerhin ist der erste Schritt getan: „Wir wollen zusammen Musik machen, und es läuft erstaunlich gut“, meint auch Perau. An den Instrumenten ist die Gruppe nach eigener Aussage immer noch fit – obwohl Marcus Wichary seit der Bandauflösung keine Gitarre mehr in der Hand hatte: „Das ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht“, wiegelt er ab.

Die Musiker wollen für die Band zwar nicht mehr alles auf eine Karte setzen. „Aber wir wollen im Frühjahr einen Teil unseres Jahresurlaubs nehmen und eine Tour machen.“ Das Berufsleben hat neben zeitmäßigen Nachteilen aber offenbar auch sein Gutes: „Man lernt, effektiver mit der Zeit umzugehen, weil wir einfach keine haben“, sagt Marcus Wichary. „Man arbeitet zielgerichteter, das tut auch der Musik gut.“

“Wird denn das auch gut?“
Dass aus den ursprünglich angedachten zwei Shows im Vorprogramm von Fury mehr werden würde war vorerst nicht geplant. Aber: „Marcus hat beim ersten Treffen gesagt, dass er mehr Lust darauf hat, eine Platte zu machen“, sagt Perau. Das war im Frühjahr, und aus Worten wurden Taten: Schon kurz darauf arbeitete die Band in ihrem Proberaum in Sarstedt an neuen Songs. „Wir haben Gruppen gebildet, weil wir ja nicht immer alle zusammen sein können.“ Seit März habe sich die Band dann ein- bis zweimal pro Woche getroffen.

Am Wochenende saßen Terry Hoax in Originalbesetzung zusammen auf dem Kronsberg im Studio. Obwohl sie noch keine neue Plattenfirma haben, müssen sie aber kein finanzielles Risiko fürchten: „Wolfgang Sick stellt uns sein Studio und Zeit zur Verfügung“, erklärt Perau eine glückliche Fügung. Der Gönner habe den Sänger angesprochen und ihn gefragt: „Wird das denn auch gut?“, sagt Perau und lacht: „Er hat keinen einzigen Song gehört und trotzdem gesagt: Kommt vorbei.“ Im Juni können Terry Hoax das Studio auf Abruf zwischen den Aufnahmen anderer Bands benutzen, im Juli sind noch einmal zehn Aufnahmetage eingeplant. 20 bis 25 Tage sollen es insgesamt werden.

Einige Freunde werden Terry Hoax in Zukunft musikalisch beiseite stehen, kündigt die Band an – denn nicht immer lässt sich das Rocken mit dem Beruf vereinbaren: „Es ist unser erklärtes Ziel, das wir alle gemeinsam auf der Bühne stehen“, sagt Oliver Perau. Er deutet aber an, dass in Ausnahmefällen auch mal befreundete Musiker mit auf der Bühne stehen könnten. Für die Aufnahmen im Studio ist bereits ein Kompagnon gefunden: Neben Armin Treptau wird der Bass bei den laufenden Aufnahmen auch vom befreundeten Musiker Kai Schiering eingespielt, der schon bei Terry-Hoax-Nachfolgeband „Shimmer“ von Hachy M. Hachmeister und Martin Wichary dabei war. „Da entsteht aber keine Konkurrenz untereinander, die beiden ergänzen sich“, stellt Marcus Wichary klar.

“Band Of The Day“ oder „Six Kids later“
Produziert wird die neue Scheibe von Jens Gallmeyer, seines Zeichens Gitarrist und Songschreiber der hiesigen Punkband Gigantor. Oliver Perau hatte zuvor mit Gallmeyer bereits einige Songs geschrieben. Ein, nein zwei Arbeitstitel hat die Platte auch schon. „Band of the Day“ ist eine Zeile aus dem Refrain des gleichnamigen Songs. „Der Text erzählt darüber, dass die Band nicht wieder da ist, weil sie es wollte, sondern weil es gefordert wurde“, sagt Perau und spielt dabei auf die Unterstützung von Fury in the Slaughterhouse, der Plattenfirma SPV (die hatte im vergangenen Jahr angefragt, ob sie den Backkatalog wieder veröffentlichen darf) und der Konzertagenur A.S.S. an. Auch ein alternativer Titel schwebt noch im Raum: Den Namen „Six Kids later“ hat sich Perau ausgedacht. Immerhin, die Bandmitglieder von Terry Hoax hatten seit der Trennung sechs Kinder gezeugt – außer Perau sind alle schon Papa.

„Die Sache ist uns schon erst“, meint Perau. „Wir haben ja einen Ruf zu verlieren.“ Überbewerten will er die neue Einigkeit aber auch nicht: Denn natürlich kann die Band nicht wissen, wie der Anklang beim Publikum sein wird – vor allem bei jungen Musikfreunden, denen die Band ganz neu ist. „Wir bekommen über MySpace viel Resonanz von Leuten, die uns noch nie gehört haben“, sagt Oliver Perau. Die neuen Titel scheinen bei denen, die sie schon gehört haben, aber gut anzukommen: „Wir klingen angeblich sehr frisch“, meint der Sänger.

Website:
www.myspace.com/terryhoax
zurück