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Live-Premiere des neuen Albums: Terry Hoax...
Live-Premiere des neuen Albums: Terry Hoax...

...rocken dynamisch und vital im Café Glocksee
...rocken dynamisch und vital im Café Glocksee

Muckerpolizei auf der Bühne? Als der Kai singt, traut der Oliver seinen Ohren kaum und freut sich nur
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Un(d)endlich Old-School: Gitarre mit Telefonkabel
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Rock´n´Roll Zorro? Perau und seine Mannen starteten das Konzert teil-vermummt
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03. Oktober 2009

Live-Premiere von “Band Of The Day”

Terry-Hoax-CD-Party im Café Glocksee

Jetzt ist sie also tatsächlich raus: 14 Jahre nach ihrem letzten Studioalbum „Den Kindern geht es gut, und sie lassen grüßen“, steht seit gestern die neue Scheibe „Band of the Day“ von Terry Hoax in den Regalen. „Ich bin tatsächlich aufgeregt, auch wenn ich schon so lange dabei bin“, erzählt Bandvorsteher Oliver Perau dem Verfasser dieser Zeilen. Schließlich kann die Gruppe kaum wissen, wie sich die Hörgewohnheiten ihrer Fans in den vergangenen Jahren entwickelt haben.

Über zu wenig Publikum können sich die Hannoveraner am Donnerstag bei ihrer Record-Release-Party zumindest nicht beschweren: Pickepacke voll ist das Café Glocksee, als die Band hier das neue Material erstmals live vorstellt. Und der erste Eindruck überzeugt: Selbstbewusst und mit ordentlich Wumms geht es gleich zu Beginn mit neuen Songs los. Und auch die Lautstärke, die die Band an den Tag legt, zeugt davon, dass Terry Hoax es noch mal richtig wissen wollen.

Während die neuen Stücke auf dem Album produktionstechnisch eher auf Radio und Massenmarkt schielen, entfalten sie in der Live-Umsetzung auf angenehme Weise ein ganz neues Eigenleben: Die neuen Lieder kommen wesentlich rauer daher Die Gitarren braten in den Ohren, der Bass wummert durch den Saal, und das Schlagzeugspiel von Hachy Hachmeister trägt die Songs druckvoll nach vorne.

„Shake your Head“ ist ein absoluter Rocker, bei dem die Zeile „Fuck you“ ganz hervorragend die Attitüde des Songs unterstreicht. Auch das Titelstück des Albums, „Band of the Day“, geht gut nach vorne los. Bei „New Beginning“ wird es etwas ruhiger, und „Where Does All That Anger Come From?“ ist ein typisches Terry-Hoax-Stück, das auch hervorragend auf eines der älteren Hoax-Alben gepasst hätte.

Die Band gibt sich sichtlich Mühe und zeigt sich recht spielfreudig – vor der Bühne ist die Stimmung zunächst allerdings nicht ganz so ausgelassen wie noch im vergangenen Jahr auf dem Fährmannsfest oder bei den zwei Konzerten, die die Band vor vier Jahren in der Lindner Freiheit spielte. Das verwundert allerdings weniger – schließlich bekommen die meisten Anwesenden die neuen Songs heute zum allerersten Mal zu Gehör. Bei den fünf alten Stücken kommt dann aber umso mehr Stimmung auf: Bei „Live all“ singen fast alle Zuschauer mit, und beim Depeche-Mode-Cover „Policy of Truth“ zeigt sich erneut, dass Terry Hoax damals genau das richtige Lied für ihre Band ausgewählt haben.

Und wo Terry Hoax gerade schon in der alten Zeit angelangt sind, holen sie auch gleich noch drei weitere Gassenhauer aus dem Gitarrenkoffer hervor: „Das Lied haben wir seit 1992 nicht mehr gespielt“, kündigt Perau das Titelstück des Albums „Freedom Circus“ an – und der Titel wird euphorisch aufgenommen. Mit „Personal Tightrope“ vom Debüt „Life in Times of…“ kommen Terry Hoax dann ganz in der Vergangenheit an. Endgültig zum Kochen bringt den Saal dann auch ein noch älteres Stück: Wahrscheinlich wird „Waterland“ wohl auf Ewig eines der absoluten Lieblingslieder der Fanschar bleiben. Hier recken sich die Hände nach oben, und es wäre nicht verwunderlich, wenn sich bei dem anschließenden Jubel einige zusätzliche Wellen in der nahe gelegenen Ihme ausgebreitet hätten.

Tatsächlich ist die Band immer noch selbstbewusst genug, um auch mal den Rockstar raushängen zu lassen. So beschwert sich Perau nicht nur einmal über die Technik im Café Glocksee: Mal ist ihm die Monitorbox zu leise eingestellt, mal viel zu laut. Allerdings unterlässt es der Sänger heute, diese mit seinen Füßen zu malträtieren, wie er es früher schon mal gemacht hat, wenn ihm etwas auf den Senkel ging. Und tatsächlich gehört Selbstbewusstsein offenbar wirklich zu den Tugenden, die Rockmusiker nach Peraus Ansicht aufweisen sollten. „Es macht keinen Sinn, ein Album zu veröffentlichen und davon dann eher peinlich berührt zu sein. Wir sind schon sehr überzeugt von dem was wir da tun. Gerade als Rockband sollte man das auch sein“, gab er uns im Gespräch zu Protokoll.

Auch im Line-Up der Band hat sich etwas getan: Die neuen Terry Hoax sind von fünf auf sechs Personen angewachsen. Neben Oliver Perau sind noch immer die Brüder Marcus und Martin Wichary sowie Schlagzeuger Hachy Hachmeister dabei. Neu zur Band hinzu gestoßen sind Kai Schiering am Bass und Jens Gallmeyer an der Gitarre. Der ehemalige Bediener der vier Seiten hingegen, Armin Treptau, ist nicht mehr Teil der Gruppe, wie Oliver Perau seinem Publikum erzählt. Und er nutzt auch gleich die Gelegenheit, um mit einem Gerücht aufzuräumen. „Es stimmt nicht, dass wir Armin aus der Band geworfen haben“, sagt er. „Er wohnt in Berlin und hatte einfach keine Zeit mehr.“ Die Meinung der Band zu diesem Umstand lässt er allerdings im Raum stehen.

Die beiden neuen Mitglieder haben sich hingegen offenbar gut in die Band integriert: Schiering und Gallmeyer stehen Seite an Seite zu Perau, jeweils flankiert von Marcus und Martin Wichary. Während Kai Schiering sich oftmals breitbeinig in Rockerposen wiegt, tritt Gallmeyer gerne bis vorne an den Bühnenrand hervor – und es ist offensichtlich, dass Oliver Perau in Gallmeyer wohl einen neuen Freund gefunden hat, so wie die beiden einträchtig nebeneinander stehen.

Die beiden Wicharys halten sich hingegen eher im Hintergrund und überlassen den drei Männern in der Mitte die Show. Allen voran Oliver Perau: Der zeigt, dass sich Posen aus dem Jazz auch auf Rockkonzerte übertragen lassen. Lässig hält er das Mikrofon, und gerne tritt er an die Zuschauer heran. Immer wieder nimmt der Sänger Blickkontakt mit einzelnen Leuten im Publikum auf. Und so ist Perau auch heute – wie schon vor vielen Jahren – noch immer der Dreh- und Angelpunkt der Band.

Und wie geht es nun aber weiter mit Terry Hoax? „Nach meinem Empfinden sind wir eine richtige Band“, sagt Oliver Perau im Gespräch. Immerhin hat die Band ein dreiviertel Jahr am neuen Album geschraubt – und die Band schaut mittelfristig in eine gemeinsame Zukunft. „Es wäre schön, wenn es etwas länger dauern würde“, sagt Oliver Perau. „Aber von unserer Seite aus gibt es da keinen Masterplan und auch keine zeitliche Limitierung. Wir haben alle noch keine Gebrechen, wir können noch ein paar Jahre.“

Fans, die am Donnerstag nicht bei der Record-Release-Party im Café Glocksee dabei sein konnten, können sich umso mehr auf den Dezember freuen: Am Freitag, 04.12., spielen Terry Hoax im Capitol. Karten für die Show gibt es bereits im Vorverkauf.

Fotos und Bericht: Daniel Junker

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